Kinästhetik Infant Handling

Im Mai habe ich endlich an einer Fortbildung teilgenommen, die schon seit Jahren ganz oben auf meinem Wunschzettel stand – Kinästhetik Infant Handling mit Liane Emmersberger. Und gleichzeitig konnte ich damit ein weiteres Fachmodul des Artgerecht-Projekts abschließen.

Neben vielen weiteren Qualifikationen ist Liane zertifizierte Kinästhetik-Trainerin, Fachkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie und Dozentin beim Artgerecht-Projekt. Und vor allem eine ganz tolle Persönlichkeit, die für ihr Thema brennt und diese Begeisterung weiterzugeben weiß.

Aufgrund der aktuellen Situation war bis kurz vorher nicht klar, ob die Fortbildung überhaupt stattfinden würde. Und auch wenn derzeit manch andere Fortbildungen ersatzweise online angeboten werden, hatte Liane von Vornherein ganz klar kommuniziert:  Kinästhetik Infant Handling entweder als Präsenzveranstaltung oder gar nicht.
Und nach diesem unglaublich großartigen Wochenende weiß ich auch warum…

Denn Theorie ist eine Sache, die Praxis eine ganz andere… Liane bringt nicht nur ein extrem umfassendes Wissen zu ihrem Herzensthema mit, sondern vor allem auch die Gabe, ihre Teilnehmer am eigenen Körper erfahren und spüren zu lassen, worum es ihr eigentlich geht.
Berührung und Bewegung – zwei so grundlegende Elemente im Alltag mit unseren Kindern, die es sich ganz bewusst zu gestalten lohnt.
Was wir an diesem Wochenende dank praktischer Übungen, Interaktion, Beobachten und Selbsterfahrung lernen durften, wäre meiner Meinung nach durch ein Webinar nicht mal ansatzweise zu vermitteln gewesen.

Und auch wenn es ein sehr komplexes und vor allem unfassbar spannendes Thema ist, möchte ich doch zumindest die für mich wesentlichen Punkte zusammenfassen:

Kinästhetik Infant Handling bedeutet für mich, über achtsame Berührung mit dem Kind in einen Bewegungsdialog zu treten.

Berührung ist ein zentrales Bindungselement im Alltag mit unseren Kindern. Gerade unsere Babys und Kleinkinder berühren wir unentwegt – beim Stillen, beim Abhalten oder Wickeln, beim Tragen, beim Hochnehmen…
Und gleichzeitig geschehen viele dieser Berührungen ganz beiläufig und nebenbei, weil wir abgelenkt sind, vielleicht unter Zeitdruck, im Geiste mit anderen Dingen beschäftigt.

Wenn wir uns aber Zeit nehmen, unser Baby ganz bewusst und liebevoll zu berühren, wenn wir es achtsam und mit viel Körperkontakt bewegen, dann gehen wir gleichzeitig mit ihm in einen Dialog.
Denn Berührung ist nichts anderes als eine nonverbale Form der Kommunikation. Dieser Bewegungsdialog bedeutet, dass wir das Kind miteinbeziehen, dass wir ressourcenorientiert und bindungsfördernd interagieren. Aus einem passiven Greifen und Heben wird ein bewusstes Berühren und Bewegen.
Indem wir uns spiraldynamische Bewegungsmuster zunutze machen, geben wir unserem Kind Halt, das Gefühl, gesehen zu werden, und unterstützen es gleichzeitig in seiner natürlichen Bewegungsentwicklung.
Und ganz nebenbei entlastet und unterstützt uns dieses kraft- und bewegungsökonomische Vorgehen ganz gezielt im Alltag, beispielsweise wenn es darum geht, das Baby schlafend abzulegen.

An diesem Wochenende habe ich es nicht nur selbst erlebt, sondern auch an den jüngsten, gerade mal an ein paar Wochen alten Teilnehmern beobachten können:
Es sind die kleinen Berührungen, die einen großen Unterschied machen.